Müller, Karl (1865-1942). Am Strand von Sylt, 1912.


Müller, Karl (1865-1942). Am Strand von Sylt, 1912.

Artikel-Nr.: Z - M021/001

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Karl Müller (1865 Hamburg - 1942 Theresienstadt). Am Strand von Sylt, 1912. Gouache, 31 x 47 cm, links unten signiert und datiert "Karl Müller 12". Unter Glas gerahmt.

 

zum Werk

Das in hellen Pastelltönen gehaltene Bild zeigt eine windbewegte Strandansicht der Insel Sylt mit vereinzelten heimgehenden Spaziergängern und einem großen Dampfschiff mit Rauchfahne am Horizont. Bestimmt wird die Bildatmosphäre durch die fein abgestuften Farbnuancierungen, wobei die Rosatöne des Strandes einerseits und die ins Grün- und Bläuliche ausschlagenden Grautönen des Meeres andererseits in einem weichen Komplementärkontrast zusammenklingen. Zudem wird der Himmel und das Wasser durch die souveräne Aktivierung des ockerfarbenen Malgrundes geradezu dramatisch belebt. Man meint, die Wolkendecke ziehen und den von den lang auslaufenden Wellen mitgespülten Sand gewahren zu können. Ockertöne, die sich - diesmal farblich gesetzt - auf dem Kamm der in die Bildtiefe hineinlaufenden Düne wiederfinden. Innerhalb der naturalistisch rückgebundenen tonalen Atmosphäre profilieren sich die Rottöne der Hüte wie erst zu entdeckende Blickfänge, die in demselben Rot gehalten sind wie die Signatur des Malers.
Karl Müller gelingt es hier durch scheinbar einfache und unprätentiösen Mittel, eine farbliche bestimmte Raumatmosphäre zu schaffen, die die naturalistische Motivik nicht auflöst, sondern innerlich belebt und die Szene auf diese Weise zu einem Seherlebnis werden lässt, dass von der 'visuellen Haptik' der immer wieder neu aufzusuchenden Bildgegenstände getragen wird.

 

zum Künstler

Karl Müller begann seine Ausbildung an der Dresdner Kunstgewerbeschule bei Prof. Danadini und setzte sie an der Berliner Akademie der Künste bei Prof. Hanke fort. Den Kriegsdienst leistete Müller als Einjähriger in Hamburg, wobei er Werke für die Kompanie und Manöverstudien anfertigte. Dies animierte ihn dazu, sich auch über den Militärdienst hinaus - mit humoristischen Unterton versehen - der Darstellung des Militärs zu widmen, was ihm den Spitznamen "Soldatenmüller" eintrug. Vor dem Ersten Weltkrieg kaiserlich national eingestellt, liberalisierte sich seine Weltanschauung zusehends durch die Kriegserfahrungen. Statt Militärdarstellungen malte er fortan - zumeist in aufwendiger Lasurtechnik - (Stadt-)Landschaften, Akte, Genreszenen und Porträts. Müller zeichnete und aquarellierte aber auch direkt in der Landschaft, vor allem in der Umgebung Hamburgs und auf Reisen nach Dänemark und Schweden.
Durch die Inflation nahezu mittelos geworden, eine Lage, die sich aufgrund der systematischen Ausgrenzung und Stigmatisierung seitens der Nationalsozialisten noch verschärft hatte, war er 1941 auf die Unterstützung der Wohlfahrt angewiesen. Im Juli 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er nach drei Monaten verhungerte.

Karl Müller war Mitglied der Hamburger Künstlervereins.
 

Auswahl an Ausstellungsbeteiligungen

Hamburg Große Kunstausstellung: 1905, 1906, 1908, 1910; Hamburger Künstlerverein: 1912, 1913, 1921, 1922, 1925, 1936, 1991.


 

Auswahlbibliographie

Bracker, Jörgen; Carsten Prange (Hg.): Alster, Elbe und die See. Hamburgs Schiffahrt und Hafen in Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen des Museums für Hamburgische Geschichte, Hamburg 1981.

Maike, Bruhns: Kunst in der Krise, 2. Bd.: Künstlerlexikon Hamburg 1933 - 1945. Verfemt, verfolgt - verschollen, vergessen, Hamburg 2001, S. 294-295.

Maike Brunhs (Hg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs, Neumünster u. a., 2013.

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