Hestaux, Louis (1858-1919). Morgenröte bei Nancy, 1907.


Hestaux, Louis (1858-1919). Morgenröte bei Nancy, 1907.

Artikel-Nr.: Z - H005/001

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Louis Hestaux (1858 Metz - 1919 Nancy). Morgenröte bei Nancy. Aquarell auf Papier, 50 x 33 cm, unten rechts signiert "L. Hestaux. [190]7".

 

zum Werk

Das Bild zeigt nicht - wie man im ersten Moment vermuten mag - eine Allee, sondern präsentiert eine gleichsam im nebelhaften Nichts wurzelnden Baumreihe, die sich mit fortschreitender Bildtiefe in eine diffuse Farbatmosphäre auflöst und wie eine zusehends verblassende Variation ein und desselben Baumes wirkt. Die einzelnen Stämme bilden unten eine strenge Reihe und entfalten allesamt ihre variierende Individuation durch einen sanften Schwung nach links, um dann ihre je eigene Formentfaltung zu entwickeln. Dabei weist das visuell ineinander verzahnte Astwerk einen stark ornamentalen Zug auf: Der vom Stamm des ersten Baumes nach rechts weggebogene obere Ast biegt sich wie eine große, natürlich gewachsene Ornamentvolte ins Bild zurück, wobei der Ast die diffuse Baumkrone dahinter überfangt und sich mit dem Astwerk des nächsten Baumes verbindet.
Dieses ornamentale Spiel der Natur vollzieht sich in einer ephemeren, traumartigen Landschaftsvision, die von den Rosa- und Blautönen des noch nebelhaft winterlichen Morgenlichts getragen wird. Und doch ist die Erscheinung der Baumreihe keineswegs gänzlich diffus, durch die sich nach vorne hin zunehmend verdichtende Konturenprägnanz erlangt sie eine geradewegs haptische Gegenwärtigkeit. Die sichtbar werdenden Phänomene vertiefen noch den melancholischen Charakter des Bildes: Der entlaubte Baum ist durch Verknotungen, Einschnitte und Abtrennungen gezeichnet, entwickelt aber dennoch in dem für den Symbolismus charakteristischen, fahl schimmernden Grünblau sein naturgegebenes ornamentales Eigenleben.
Mit einer an Émile Gallé geschulten Meisterschaft entwickelt Hestaux hier aus dem Motiv heraus und damit auf eine ganz natürlich wirkende Art und Weise Schlüsselthemen des Symbolismus' und Jugendstils.

 

zum Künstler

Louis Hestaux, der neben seiner Lehre als Typograph ab 1872 Abendkurse an von Théodore-Louis Devilly geleiteten Ecole Municipale de Dessin belegte hatte, wurde 1876 als Zeichner und Entwerfer im Atelier von Emile Gallé in Nancy beschäftigt und einer dessen engster Mitarbeiter. Nach dem Tode Gallés übernahm Hestaux die künstlerische Leitung des Unternehmens, die er bis 1914 innehattw, um dann nach Paris zu gehen.
In Zusammenarbeit mit Victor Prouvé und Emile Gallé entstanden Aufsehen erregende Einzelstücke wie der Tisch "Le Rhin" und die Jardiniere "Flora marina, Flora exotica", die auf der Pariser Weltausstellung von 1889 präsentiert wurden. Neben der schöpferischen Arbeit für das Atelier Gallé und seiner unabhängigen Entwurfstätigkeit war Hestaux - wie das vorliegende Aquarell eindrucksvoll vor Augen auch ein Maler, der sich vorwiegende der vorwiegend der Landschaftsmalerei widmete.

"Schon frühzeitig als virtuoser Zeichner hervorgetreten sowie mit einem ausgeprägten Gespür für dekorative Belange und einem feinsinnigen Naturempfinden begabt, kompensiert H[estaux] problemlos die fehlende akademische Ausbildung. [...] Neben Merkmalen von Symbolismus und Art Noveau assimiliert er Einflüsse des Japonismus, mit dem er sich intensiv beschäftigt und als dessen Hauptvertreter er innerhalb der Ecole de Nancy er angesehen wird."

Rosemarie L. Tovell in Saurs allgemeinem Künstler-Lexikon (Bd. 72, S. 516)

 

Auswahl öffentlicher Sammlungen, die Werke von Louis Hestaux besitzen:

Hida Takayama Museum of Art Gifu, Museum de l'Ecole de Nancy.  

 

 

Auswahlbibliographie

Ladislas Harcos: Peintres & graveurs lorrains. 1833 - 1980, Nancy 1991.

Pierre Kjellberg: Le mobilier du XXe siècle. Dictionnaire des créateurs, Paris 1994.

Christian Debize: Émile Gallé & l' école de Nancy, Metz 1998.

Renate Ulmer (Hg.): Art Noveau. Symbolismus und Jugendstil in Frankreich, Darmstadt - Berlin 1999.

François Loyer u.a.: L’Ecole de Nancy, 1889-1909. Art nouveau et industries d’art, Paris 1999.

Roselyne Bouvier u.a.: Muses de l'Ecole des Nancy, 2001.

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