Breuer, Peter (1856-1930). Der Frühling.


Breuer, Peter (1856-1930). Der Frühling.

Artikel-Nr.: S - B018/001

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Peter Breuer (1856 Köln - 1930 Berlin). Der Frühling. Bronze, hell patiniert, weißgeäderter Schwarzmarmorsockel, auf der Plinthe
bezeichnet 'Prof. Peter Breuer', H 37 x B 40 x T 27 cm.

Minimal berieben, an den rückseitigen Partien der Oberarme Haarrisse.

 

zum Werk

1889 fertigte Peter Breuer das Modell für die Figur "Der Frühling" an, 1890 entstand die erste von der renommierten Bronzegießerei Gladenbeck hergestellte Bronzefassung. 1891 folgte eine große Version in Marmor, die auf der Internationalen Kunstaustellung in Berlin gezeigt wurde und eine "Ehrenvolle Erwähnung" fand, während eine 1893 auf der Weltausstellung in Chicago gezeigte große Bronzefassung mit der 1. Medaille ausgezeichnet wurde. Weitere Neuauflagen zeugen von einer auch über die Jahrhundertwende hinausgehenden Nachfrage und Wertschätzung der Figur, mit der sich Breuer endgültig als Künstler etablierte.
Die über
einem weißgeäderten schwarzem Marmorsockel auf einer naturalistisch
gearbeiteten Plinthe ruhende Personifikation des Frühlings stützt sich mit der rechten Hand auf, während die andere Hand mit graziler Lässigkeit nach einen der naturalistischen Plinthe zugeordneten Blumenstrauß greift. In ihrer raumgreifenden Haltung überspannt sie die ganze Sockelfläche und entfaltet - trotz ihrer lagernd ruhenden Position - eine Bewegung, die der Betrachter im Umgehen der Figur entfaltet und die schließlich mit der Freigabe des Gesichts im leicht nach oben gerichteten Blick kulminiert. Als Personifikation des Frühlings hat sie das nährende Licht der Sonne im Blick, dem die Natur in einem neuen Aufblühen sehnsuchtsvoll entgegenwächst. In den verschiedenen, sich im Umgehen der Figur eröffnenden zu einer kontinuierlichen Bewegung miteinander verschmelzenden Ansichten teilt sich die im Seidenglanz der
patinierten Bronze aufschimmernde jugendliche Grazilität der Frauenfigur mit, wobei die Makellosigkeit ihrer Schönheit noch zusätzlich durch den Kontrast der glatten Haut mit der gröberen Struktur des Haars und der Plinthe befördert wird.
Mit der Figur "Der Frühling" ist es Peter Breuer gelungen, eine Ikone des Jugendstils zu schaffen, die gerade aufgrund der ihr eigenen Temporalität, mit der sich ihre Grazie dem Betrachter mitteilt, eine klassische Überzeitlichkeit aufweist und damit als ein Schlüsselwerk im Oeuvre Breuers gelten kann.

 

Eine Würdigung des Werkes seitens des ehemaligen Leiters der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter Bloch, findet sich in: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786 - 1914, Berlin 1990, S. 55.

 

 

zum Künstler

Peter Breuer erhielt seine erste Ausbildung als Steinmetz und Holzbildhauer bei Heinrich und Peter Klein in Köln, um dann zwischen 1874 und 1877 bei Josef Knabl an der Münchner Akademie zu studieren. Anschließend war er bei Heinz Hoffmeister in Berlin tätig, wo er 1879 bei Fritz Schaper an der Akademie der Künste studierte und dann Gehilfe von Gustav Eberlein wurde. Von 1879 an war Breuer regelmäßig auf den Akademie-Ausstellungen vertreten. Ab 1881 war er selbständig tätig und fertige Bronzeporträts - unter anderem eine Reiterstatuette Wilhelms II. - und Genrefiguren an. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm mit der 1889/90 angefertigten Sitzfigur "Der Frühling", die zu seiner Aufnahme in das Atelier von Reinhold Begas führte, wo er am Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. mitarbeitete. 1894 erhält er die Kleine Goldene Medaille für die Bronzegruppe "Adam und Eva". 1895 erfolgt der erste Denkmalauftrag: ein Standbild des Justizreformers Carl Gottlob Suarez für Breslau. 1896 wird Breuer zum Professor der Bildhauerei an der Kunstakademie Berlin-Charlottenburg ernannt, wo er bereits seit 1892 unterrichtete Zu seinen Schülern gehörten Hans Dammann, Fritz Röll, Leopold Fleischhacker, Felix Pfeifer und Rudolf Belling. 1897 erhält Breuer die Große Goldene Medaille für die Gruppe "Lasset die Kindlein zu mir kommen". Das im selben Jahr geschaffene lebensgroße Bronzestandbild Karls des Großen für den Berliner Reichstag ist verlorengegangen.
Allmählich löste sich Breuer von Begas' naturalistisch-neobarockem Stil, um eine reduziert abstraktere Formensprache zu entwickeln, die den Werken eine neue Intensität verlieht, wodurch Breuer zu einem Wegbereiter der Moderne in der Berliner Bildhauerschule wurde. Das neue Formverständnis zeigt sich insbesondere an dem ab 1910 in mehreren Fassungen erarbeiteten Beethoven-Denkmal für Bonn. Bis 1923 entwarf Breuer 16 Denkmäler, von denen 13 realisiert worden sind. Sein letztes großes Werk ist das 1922/23 geschaffene Marmorstandbild Adolph von Menzels.  

 

 

Öffentlich aufgestellte Denkmäler

1889 Berlin – im Ausstellungsgelände am Lehrter Bahnhof: Kolossalbüste Kaiser Wilhelm II. (nicht erhalten); 1894 Marmorgruppe Adam und Eva auf der Großen Kunstausstellung in Düsseldorf, 1941 versetzt in den Florapark, Palmenstraße, 1942 erheblich zerstört, 1954 restauriert von den Bildhauern Rudolf Christian Baisch und Hermann Isenmann (fehlende Teile anplantiert); 1900 Breslau – auf dem Königsplatz: Bismarck-Standbild (nicht erhalten); 1901 Berlin-Tiergarten – in der Siegesallee im Tiergarten: Denkmalgruppe 23, Standbild des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg, mit Assistenzbüsten Fabian Graf von Dohna und Thomas von dem Knesebeck (Standbild erhalten und für das Lapidarium in der Zitadelle Spandau vorgesehen); 1901 Halle a. Saale – Promenadenring (Hansering): Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. mit Assistenz-Standbildern Bismarcks und Moltkes, Architektur von Bruno Schmitz, Bauplastiken von Bildhauer Christian Behrens (nach dem Zweiten Weltkrieg beseitigt); 1902 Bunzlau – Religiöse Genregruppe Lasset die Kindlein zu mir kommen – 1898 als Auftrag Kaiser Wilhelms II. für den Platz vor dem Waisenhaus gefertigt (erhalten, steht jetzt auf dem Schlossplatz); 1903 Köln – am Kaiser-Friedrich-Ufer: Kaiser Friedrich III.-Reiterstandbild (zwischen 1942/45 eingeschmolzen); 1907 Memel – vor dem Rathaus: Borussia-Denkmal errichtet zum 100. Jahrestag des dort publizierten Oktoberediktes und der zeitweiligen Übersiedlung von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise nach Memel während des Vierten Koalitionskrieges 1807; 1912-14 Berlin-Steglitz – Bäkepark: Otto-Lilienthal-Denkmal (Ikarusfigur); 1909 Kleve – am Marstall bei der Schwanenburg: Hohenzollernbrunnen (nicht erhalten) mit Reiterstandbild des Großen Kurfürsten (erhalten); 1919 Memel - Nationaldenkmal 1813–15 mit Germania-Standbild, auf dem Rathausvorplatz, am Sockel Doppelreliefmedaillon König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, feierliche Enthüllung in Gegenwart des Kaiserpaares (Sockel erhalten und wurde zwischenzeitlich mit einer sowjetischen Figur ausgestattet. Derzeitiges Schicksal ist unbekannt); 1925 Berlin-Oberschöneweide - im Griechischen Park ,Venus und Amor; 1926–1938: Bonn – Beethoven-Denkmal in der Rheinaue.

 

Auswahlbibliographie

Hans Maes; Alfons Houben: Düsseldorf in Stein und Bronze, Düsseldorf 1976.

Sibylle Einholz: Peter Breuer (1856–1930). Ein Plastiker zwischen Tradition und Moderne, Berlin 1984.

Peter Bloch (Hg.): Rheinland Westfalen und die Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts, Berlin 1984.  

Ursel Berger: Von Begas bis Barlach. Bildhauerei im wilhelminischen Berlin, Berlin 1984.

Stefanie Endlich; Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin 1990.    

Peter Bloch: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786 - 1914, Berlin 1990.

 

 

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