Stauffer-Bern, Karl (1857-1891). Adolph von Menzel, 1885.


Stauffer-Bern, Karl (1857-1891). Adolph von Menzel, 1885.

Artikel-Nr.: GR - S020/001
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Karl Stauffer-Bern (1857 Trubschachen - 1891 Florenz). Bildnis Adolph von Menzels. 39 x 29,5 cm (Plattenmaß), 50,3 x 39 cm (Papiermaß), in der Platte signiert, bezeichnet und "Nov(ember) (18)85" datiert, Lehrs 13, II.
Zustand von feinster Qualität mit starkem Grat.  

 

zum Werk

Karl Stauffer-Bern hatte in seiner Berliner Zeit engen Kontakt zu Adolph von Menzel geknüpft. Er porträtiert den Künstler mit einer Menzels eigenem Schaffen kongenialen Virtuosität. In der haptischen Eindringlichkeit des Porträtierten wird der ganze künstlerische Furor der 'kleinen Exzellenz' gegenwärtig. Die Gesichtszüge des aufmerksamen Beobachters Menzels sind gleichermaßen gelassen wie gespannt. Man meint förmlich, die künstlerische Interpretation des Blicks gewahren zu können. Dem Künstlerblick entsprechend war Menzel zunächst mit einer für die Maler typischen Schirmmütze ausgestattet, anstatt einen Zylinder zu tragen, der in der Endfassung freilich zur majestätischen Erscheinung Menzels beiträgt.
Die gegenwärtige Prägnanz des Porträtierten wird durch eine Steigerung der malerischen Mittel erreicht: Während der Hintergrund, die Oberbekleidung und der Hut in breiten Schraffuren skizzenartig angelegt sind, wirkt der weiße durch eine Aktivierung des Blattgrundes hell leuchtende Bart als eine das Gesicht freistellende bildinterne Binnenrahmung, hinter der das Antlitz in der Konkretion all seiner markanten Züge auf eine derart intensive Weise Formen annimmt, dass sich der Porträtierte geradewegs plastisch aus dem Bild hervorzuwölben scheint.
In den bloß vier Jahren, in denen sich Stauffer-Bern der Druckgrafik zugewendet hat, gelang es ihm, die Porträt-Radierung auf ein ganz neues Niveau zu heben, was Stauffer-Bern die uneingeschränkte Wertschätzung Menzels einbrachte.

"Zu seinen besten Radierungen gehören die Bildnisses Menzels [...]."
C. v. Mandach im Thieme-Becker

 

zum Künstler

Nach einer ersten Ausbildung bei Paul Volmar in Bern begann Stauffer 1874 bei dem Stubenmaler Wenzel in München eine Lehre als Dekorationsmaler und wurde zudem für den Theatermaler Angelo Quaglio tätig. Ein Stipendium erlaubte es ihm, 1876 in die Münchner Akademie einzutreten. Zunächst besuchte er die Zeichenklasse von Johann Leonhard Raab und dann die Malklassen von Ludwig von Löfftz sowie Wilhelm von Diez, zu dessen Schülern auch Lovis Corinth und Wilhelm Leibl gehörten. Stauffers Stillleben, Köpfe, Aktstudien und Landschaften wurde mit Auszeichnung versehen und dienten noch lange nach dessen Weggang als mustergültige Lehrstücke.
Nach dem Ende des Stipendiums mittellos geworden, verließ er die Akademie vorzeitig und ging 1880 nach Berlin zu seinem Freunde Klatsch. Vom Akademiedirektor
Anton von Werner und seinem Assistenten Alfred Lichtwark unterstützt, stellte Stauffer auf der Berliner Jahresausstellung 1881 ein Porträt des Bildhauers Max Klein aus. Das Werk wurde mit der kleinen Goldmedaille ausgezeichnet und von der Kritik für die freie Farbehandlung und die eindrucksvolle Charaktersierung des Dargestellten gelobt. Stauffer wurde daraufhin mit zahlreichen Porträtaufträgen bedacht, von Reinhold Begas gefördert und an Adolph von Menzels Tafel geladen.
Im Winter 1883/84 ließ er sich von Peter Halm in Radierkunst einführen. Zusammen mit
Max Klinger wollte er eine Ehrengalerie berühmter Zeitgenossen anfertigen. Seine mitunter lebensgroßen radierten Porträts stellen einzigartige Leistungen der Druckgraphik dar. Wilhelm von Bode verglich die Qualität dieser Werke mit Holbein und Rembrandt. Innerhalb seiner vierjährigen Tätigkeit als Radierer schuf er insgesamt 37 Blätter. Stauffer, der 1886 einen "Tractat der Radierung [...] zum Selbstunterricht für die Maler aufgeschrieben" verfasst hat, unterrichtete unter anderen Käthe Kollwitz, Hedwig Weiß und Clara Siewert in der Kunst des Radierens. 1886 malte Stauffer das Bildnis Gustav Freitags für die Nationalgalerie. Der Wunsch, auch die Bildhauerei zu erlernen, führte ihn - finanziell durch das Ehepaar Welti-Escher unterstützt - 1888 zusammen mit Max Klinger nach Rom.
Seit 1886 hatte sich ein Verhältnis mit Lydia Welti-Escher entsponnen. Nachdem die Eheleute Welti-Escher nach Florenz übergesiedelt waren, flieht das Liebespaar im November 1889 nach Rom. Stauffer wird verhaftet, Lydia in eine römische Irrenanstalt eingewiesen. Nach seiner Entlassung im März 1890 erfuhr Stauffer, dass Lydia Rom verlassen und die Beziehung zu ihm abgebrochen hat. Zutiefst deprimiert unternahm er im Juni 1890 in Bern einen Selbstmordversuch. Adolf von Hildebrand, der Stauffer bereits während seiner Einweisung in die Florentiner Nervenheilanstalt unterstützt hatte, ermuntert ihn, sich wieder in Florenz der Bildhauerei zu widmen, wo Stauffers letzten Werke entstanden, bevor er 1891 sein Leben gewaltsam beendete.

Die "Alpensinfonie" von Richard Strauss war ursprünglich als musikalisches Porträt Stauffer-Berns konzipiert. Strauss realisierte jedoch nur die musikalische Schilderung der Bergbesteigung des passionierten Alpinisten Stauffer-Bern und verzichtete auf weitere biographische Bezüge.

Der Dramatiker Herbert Meier setzte die Biographie Stauffer-Berns in einem gleichnamigen Theaterstück um, das 1974 uraufgeführt wurde.

 

Auswahl an öffentlicher Sammlungen, die Werke von Karl Stauffer-Bern besitzen:

Alte Nationalgallerie Berlin, Kunsthaus Zürich, Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum Bern, Kupferstichkabinett Dresden, Von der Heydt-Museum Wuppertal.

 

 

Auswahlbibliographie

Otto Brahm: Karl Stauffer-Bern. Sein Leben, seine Briefe, seine Gedichte, Stuttgart 1892.

Max Lehrs (Hg.): Karl Stauffer-Bern 1857-1891. Ein Verzeichnis seiner Radierungen und Stiche. Mit dem Manuscript zu einem 'Traktat der Radierung' aus dem Nachlass d. Künstlers als Anhang, Dresden 1907.

Wilhelm Schäfer: Karl Stauffers Lebensgang – Eine Chronik der Leidenschaft, München - Leipzig 1912.

A. W. Züricher (Hg.): Familienbriefe und Gedichte von Karl Stauffer-Bern, Leipzig 1914.

Fritz Stöckli (Hg.): Karl Stauffer-Bern. Leben – Werk – Briefe, Bern 1942.

Bernhard von Arx: Karl Stauffer und Lydia Welti-Escher, Chronik eines Skandals, Bern 1969.

Cäsar Menz: Karl Stauffer-Bern und die Photographie, Bern 1978.

Michael Dirrigl: Hans Thoma - Karl Stauffer-Bern. Maler in München, Nürberg 2001.

Matthias Frehner, Brigitta Vogler-Zimmerli (Hg.): «Verfluchter Kerl!» Karl Stauffer-Bern, Maler, Radierer, Plastiker, Zürich 2007.

Bernhard Echte, Hans Peter Krähenbühl (Hg.): Karl Stauffer-Bern : Maler, Radierer, Bildhauer, Wädenswil am Zürichsee 2007.

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