Schmidt, Georg Friedrich (1712-1775). Prinz Heinrich von Preußen, 1767.


Schmidt, Georg Friedrich (1712-1775). Prinz Heinrich von Preußen, 1767.

Artikel-Nr.: GR - S003/003
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Georg Friedrich Schmidt (1712 Schönerlinde bei Berlin - 1775 Berlin). Prinz Heinrich von Preußen. Nach Carle van Loo, 1767. Radierung auf starkem Bütten, 50,5 x 36 cm, unten rechts in der Platte signiert "Gravé par G. F. Schmidt, Graveur du Roy 1767.".
Wessely 49 II (von III). Vor dem Doppelpunkt zwischen "Roy" und Jahreszahl.
Ausgezeichneter Druck mit schmalem Rändchen. Geringe Papierschäden und Knitterspuren an der linken oberen Ecke außerhalb der Darstellung, leicht angestaubt, sonst von sehr guter Erhaltung.

 

zum Werk

Der nach einem Ölgemälde von Charles-Amédée-Philippe van Loo angefertigte Kupferstich zeigt den 39jährigen Prinzen und jüngeren Bruder Friedrichs II., Heinrich von Preußen, in einem repräsentativen Arrangement, wie es Hyacinthe Rigaud, an dem sich Schmidt in Paris geschult hatte, auf vollendete Weise entwickelt hat. In vollem Ornament, mit dem Hohen Orden vom Schwarzen Adler versehen, 'thront' der Prinz unter einem weiten, im barocken Gestus pneumatisch aufwehenden Baldachinstoff. Das hinter ihm aufwirbelnde, in einer Dreiecksform auf seine Schulterpartie zulaufende Tuch bildet den Fond, vor dem der Kopf des Prinzen - wie in einem für sich bestehenden Porträt - freigestellt ist. Den herrschaftlichen-barocken Gestus relativierend sitzt Prinz Heinrich mit elegant überschlagenen Beinen da und wendet sich in einladender Gestik an den Betrachter. Trotz dieser beinahe familiär-intimen Situation verbleibt der Prinz aber dennoch in herrschaftlichen Unnahbarkeit, was durch den parallel zur Beinhaltung verlaufenden Paradedegen unterstrichen wird, der die ästhetische Grenze zum Betrachter hin markiert.
Schmidt gelingt es, die ganz besondere Farbqualität eines van Loo in das Medium der Druckgrafik zu übersetzten. Zum einen, indem er die spezifischen Stoffqualitäten zur Erscheinung bringt -  sei es der haptisch wirkende Fellbesatz oder die im Licht changierende Seide - und zum anderen durch die meisterhafte Taillierung der anschwellen und abschwellenden Kupferstichlineaturen, die der Darstellung eine innere Fluktuation verleihen, aus der sich die zugleich lebendige wie lebensnahe Wirkung des Porträtierten speist.

 

zum Künstler

Durch eine Empfehlung der Berliner Akademie der Künste vermittelt, begann Schmidt ab 1727 bei dem Kupferstecher Georg Paul Busch eine Ausbildung, wo er sich besonders an Stichen Gérard Edelincks schulte. Von 1730 bis 1736 absolvierte er im Artilleriekorps den Militärdienst. Nach seiner frühzeitigen Freistellung besuchte er zusammen mit Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff den Zeichenunterricht an der Akademie der Künste. Für seine Illustrationen zu Jakob Elsners "Neueste Beschreibung oder Abbildung der heutigen Griechischen Christen in der Türkey" (1737) erhielt Schmidt die nötigen Mittel, um sich zur weiteren künstlerischen Ausbildung nach Paris zu begeben. Durch Anton Pesne empfohlen, traf Schmidt in Straßburg mit Johann Georg Wille zusammen, der ihn - gemeinsam in Paris angelangt - Nicolas IV de Larmessin als Lehrling empfahl. Diesen unterstützte Schmidt bei der Anfertigung von Stichen nach Nicolas Lancret zu Lafontaine's Fabeln. Larmessin ließ ihn die ersten zwölf Abdrücke der von ihm gestochenen Platten mit seinem Namen versehen, der für den nachfolgenden Druck dann durch die Signatur des Meisters ersetzt worden ist. Seinen Lebensunterhalt verdiente Schmidt mit Buchillustrationen, die er neben seiner Lehre anfertigte.
Erste künstlerische Anerkennung fand Schmidt mit der 1742 auf der Akademieausstellung gezeigten druckgrafischen Umsetzung von Hyacinthe Rigauds Porträt des Grafen d'Evreux. Mit seinem Porträtstich des Erzbischof von Cambray, Charles Saint-Aubin, erregte weithin Aufmerksamkeit. In Paris entstand auch die druckgrafische Umsetzung des Selbstporträts von Moritz Quentin de la Tours, mit dem Schmidt befreundet gewesen ist. Aufgrund seiner künstlerischen Meriten durfte sich Schmidt 1742 zur Aufnahme in die Akademie melden, was nur durch nur einen Gnadenakt des Königs möglich gewesen ist, da Schimdt Protestant war. Als Aufnahmestücke reichte er das Porträts des Malers Pierre Mignard nach Rigaud ein.
Schmidts Ruf drang bis nach Berlin und Friedrich II. ernannte ihn - von Knobelsdorff dazu ermuntert - zum Hofkupferstecher. Bis zum Jahre 1757 schuf Schmidt in Berlin sechszehn große Porträtstiche. In Berlin begann er sich auch zusehends der Radiernadel zuzuwenden, wobei er sich insbesondere mit den Grafiken Rembrandts auseinandersetzte.
1757 berief die Kaiserin Elisabeth Schmidt nach St. Petersburg, um ihr Porträt nach Louis Tocqué stechen zu lassen. Darüber hinaus baute er dort eine Kupferstichschule auf, so dass Schmidt als Vater des russischen Kupferstichs gelten kann. 1762 wieder in Berlin, fertigte er das große Porträt des Prinzen Heinrich und zahlreiche Illustrationen zu den Werken Friedrich's des Großen an. Es folgten weitere druckgrafischen Umsetzungen vor allem von Werken Rembrandts, aber auch nach van Dyck oder Christian Wilhelm Ernst Dietrich. Insgesamt hat er 299 Blätter angefertigt. Neben Daniel Nikolaus Chodowiecki und Johann Wilhem Meil war Johann Georg Schmidt der vom Königshaus bevorzugte Hauptvertreter des Berliner Kupferstichs im 18. Jahrhundert.

 

"Wer in einer öffentlichen Sammlung sein Werk durchblättert, wird uns Recht geben, wenn wir Schmidt für einen Bahnbrecher des modernen Kupferstiches ansehen, zu dem alle neueren Meister der graphischen Kunst wie zu ihrem Ahnherrn emporblicken können."

Joseph Eduard Wessley

 

 

Auswahlbibliographie

August Wilhelm Crayen: Catalogue Raisonné De L'Oeuvre De Feu George Fréderic Schmidt, Graveur Du Roi De Prusse, Leipzig 1789.

Ludwig David Jacobi: Schmidt's Werke oder Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Kupferstiche und Radierungen, Berlin - Leipzig 1815.           

Joseph Eduard Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen, Hamburg 1887.

Paul Dehnert: Georg Friedrich Schmidt, der Hofkupferstecher des Königs. In: Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz 16 (1979), S. 321-339.

Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hg.): Prinz Heinrich von Preußen in Bildnissen seiner Zeit. Ausstellung im Schloß Rheinsberg- Bibliothek des Prinzen Heinrich 6. Mai bis 19. Juni 1994, Potsdam 1994.

Rainer Michaelis: Betrachtungen zum malerischen Werk des preussischen Hofkupferstechers Georg Friedrich Schmidt (1712-1775). In: Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz 35.1998 (1999), S. 221-235.

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