Liebermann, Max (1847-1935). Hercules - Hindenburg erschlägt den russischen Bären.


Liebermann, Max (1847-1935). Hercules - Hindenburg erschlägt den russischen Bären.

Artikel-Nr.: GR - L009/001
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Max Liebermann (1847-1935). Hercules – Hindenburg erschlägt den russischen Bären. Kreidelithographie auf Japanpapier, 32 x 23,5 cm, in der Platte und handsigniert, Exemplar Nr. 30 der auf 30 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe auf Japan.
Schiefler, 179a

 

zum Werk

Die Lithographie "Hercules – Hindenburg erschlägt den russischen Bären“ ist eine Allegorie auf die Schlacht bei Tannenberg und im Zusammenhang von Liebermanns Mitarbeit an der im Cassirer-Verlag erschienenen Zeitschrift "Kriegszeit" entstanden.
Bildparallel weit ausschreitend bezwingt Herkules in heroischer Nacktheit den an den rechten Bildrand gedrängten dunklen Bären. Dabei werfen beide Gestalten einen Schatten, der den dunklen Hintergrund als Reliefgrund erscheinen lässt. Unterstrichen wird der dadurch forcierte Denkmalcharakter durch die Antiqua-Majuskel Schrift.
Für das zu weiteren Taten motivierende Gedenkblattes mobilisiert Liebermann das klassizistische Arsenal, wie es sich beispielsweise bei Bertel Thorvaldsen findet, wobei er die aufgegriffenen Bildformeln allerdings in seiner typischen Manier einer flüssig gesetzten Lineatur neu belebt.
Die geringe Auflage von nur dreißig Blättern zeugt von der Exklusivität des Werks, das zugleich
die Vielschichtigkeit des keineswegs eindeutig zu klassifizierenden gleichermaßen modernen wie konservativen Künstlers vor Augen führt.

 

zum Künstler

Der junge Lieberann, der gegen den Willen seines Vater, statt ein Chemiestudium zu verfolgen, sein künstlerisches Talent kultivierte, wurde von Carl Steffeck engagiert, um ihm bei seinen monumentalen Schlachtenbildern zur Hand zu gehen. Bei Staffeck lernte er seinen späteren Förderer Wilhelm Bode kennen. Nach dem Abbruch des Chemie-Studiums besuchte Liebermann als Schüler des belgischen Historienmalers Ferdinand Pauwels die Kunstschule Weimar und vertiefte sich dort in das druckgrafische Werk Rembrandts, das für Liebermanns Oeuvre eine entscheidende Bezugsgröße bleiben sollten. 1871 hält er sich dann in Düsseldorf auf, wo er von dem dunkeltonigen Realismus Mihály von Munkácsys angezogen wird. Es folgen Reisen in die Niederlande, auf denen er die Landschaft und das Personal der von ihm hoch geschätzten holländischen Malerei 'in natura' studierte.
Sein erstes großformatiges Gemälde, "Die Gänserupferinnen" - eine Synthese seiner bisherigen Kunst- und Ortsstudien - wurde 1872 zunächst auf der Hamburger Kunstausstellung und dann in Berlin gezeiht und brachte Liebermann - anstelle von künstlerischer Anerkennung - den Ruf eines „Malers des Hässlichen“ ein. Infolgedessen ging Liebermann nach Paris zog, um das Gemälde im Salon einzureichen, wo es allerdings auch keine Würdigung erfuhr. Zum Studium der Freiluftmalerie zog Liebermann weiter nach Barbizon. Im Anschluss abermals in Holland kopierte Liebermann Gemälde von Frans Hals, was sowohl für seinen Pinselduktus als auch für die Aufhellung der Farbpalette und die Öffnung der impressionistischen Kunst gegenüber entscheidend gewesen ist. Trotz seiner zunehmenden Orientierung an der französischen Kunst und wiederholter Teilnahme am Pariser Salon, vermochte Liebermann in der Pariser Kunstszene nicht Fuß zu fassen.
1878 bereiste Liebermann erstmals Italien, wo er Kontakt mit einer Gruppe Münchner Maler, unter ihnen Franz von Lenbach, knüpfte, was dazu führte, dass er sich in München ansiedelte. Aber auch sein auf vielen Vorstudien basierendes Bild, "Der zwölfjährige Jesus im Tempel", löste eine antisemitisch zugespitzte Empörungswelle aus, die Liebermann dazu zwang, die als hässlich empfundene Jesusfigur zu überarbeiteten. Auf seiner alljährlichen Niederlandereise erblickte Liebermann eine Szenerie, die ihn augenblicklich gefangen nahm: Im Garten eines katholischen Altmännerhauses saßen schwarzgekleidete ältere Herren auf Bänken im Sonnenlicht. Beim Malen dieses Motivs entwickelte der Künstler die für sein späteres Werk charakteristischen „Liebermann’schen Sonnenflecken“. Der Pariser Salon von 1880 bedachte ihn dafür - als ersten Deutschen - mit einer ehrenvolle Erwähnung. 1884 entschloss sich Liebermann zur Rückkehr nach Berlin, wo er - auch mit der Stimme seines späteren Widersachers Anton von Werner - in den Verein Berliner Künstler aufgenommen worden ist. Durch die Familie Bernstein wurde Liebermann mit
Max Klinger, Adolph Menzel, Georg Brandes, Wilhelm Bode, Theodor Mommsen, Ernst Curtius und dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, bekannt, welcher zu einem wichtigen Förderer Liebermanns wurde. Nach acht Jahren nahm Liebermann 1886 erstmals wieder an der Ausstellung der Akademie der Künste teil und wurde seitens der Kritik nun als herausragender Vertreter der Moderne gewürdigt. Adolph Menzel etwa hebt Liebermann als „den einzigen, der Menschen macht und keine Modelle“ hervor. Die anlässlich der 1889 sattfindende Weltausstellung gezeigten Werke Liebermanns führten schließlich zu seinem internationalen Durchbruch. Er erhielt die Ehrenmedaille und wurde in die Société des Beaux-Arts aufgenommen.
1892 gründete sich in Berlin die Vereinigung der XI - die Keimzelle der späteren Berliner Secession - dessen federführender Kopf Liebermann wurde. Nachdem 1892 durch eine Abstimmung des Vereins Berliner Künstler die große Edvard Munch-Ausstellung vorzeitig geschlossen worden war, kam es zum offenen Bruch zwischen der akademisch-konservativen, durch Anton von Werner repräsentierten, und der durch Liebermann vertretenden naturalistisch-modernen Richtung. 1896 begleitete Liebermann den zum Direktor der Nationalgalerie ernannten Hugo von Tschudi auf einer Ankaufsreise nach Paris. Anlässlich seines 50. Geburtstages 1897 wurde Liebermann ein ganzer Saal innerhalb der Akademieausstellung gewidmet. Liebermann wurde die Große Goldene Medaille zugeeignet, mit der Stimme Anton von Werners in die Akademie aufgenommen und ein Professorentitel verliehen. Nachdem die von Anton von Werner geleitete Jury ein Gemälde Walter Leistikows zur Großen Berliner Kunstausstellung 1898 abgelehnt hatte, rief Leistikow zur Gründung einer Gemeinschaft unabhängiger Künstler - der Secession - auf, zu deren Präsident Liebermann gewählt wurde. Die Secessions-Ausstellungen auf denen Künstler aus Worpswede, Arnold Böcklin, Hans Thoma, Max Slevogt und Lovis Corinth beteiligt waren, wurden zu einem internationalen kulturellen Ereignis und führten zur Übersiedlung Corinths und Slevogts nach Berlin.
1903 veröffentlichte Lieberman den kunsttheoretischen Traktat "Die Phantasie in der Malerei", worin gegen die akademische Richtung darlegt, dass nicht das Motiv das Entscheide sei, sondern es auf „die den malerischen Mitteln am meisten adäquate Auffassung der Natur“ ankomme. Gleichzeitig wendet er sich damit aber auch gegen den aufkommenden Expressionismus, womit sich bereits die späteren Secessionskrisen abzeichnen. Inzwischen hatte Liebermann in gesellschaftlicher Hinsicht die Nachfolge Menzels angetreten. 1907 widmete die Berliner Sezession ihrem Präsidenten eine große Geburtstagsausstellung.
Seit 1900 wandte sich Liebermann zunehmend der Grafik und der Zeichnung zu. 1908 waren in der „Schwarz-Weiß-Ausstellung“ der Secession 59 seiner Radierarbeiten zu sehen. Nachdem Liebermann 1910 27 expressionistische Bilder als für die Secessions-Ausstellung ungeeignet zurückgewiesen hatte, kam es zum Bruch mit der jungen Avantgarde, deren Wortführer Emil Nolde war, der daraufhin - gegen die Stimme Liebermanns - aus der Secession ausgeschlossen wurde. Unter der Präsidentschaft Max Pechsteins bildete sich daraufhin die Neue Secession, an deren Ausstellungen Maler der Brücke und der Neuen Künstlervereinigung München teilnahmen. 1911 legte Liebermann seinen Vorsitz nieder, blieb als Ehrenpräsident der Secession aber in die Geschehnisse eigebunden, während die Führung an Lovis Corinth überging. Nach weiteren internen Zerwürfnissen kam es schließlich, abermals unter der Führung Liebermanns, zur Gründung der Freien Secession, die von 1914 bis 1923 Ausstellungen veranstaltete. Bereits 1910 hatte der Künstler die Liebermann-Villa am Wannsee bezogen, die sich wie ein Leitmotiv durch sein Spätwerk zieht. Die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ernannte ihn zum Ehrendoktor, er wurde in den Senat der Akademie der Künste aufgenommen und Mitglied der Kunsthochschulen in Wien, Brüssel, Mailand und Stockholm.

Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs lieferte Lieberman für die von Paul Cassirer herausgegebene "Kriegszeit" grafische Beiträge. Er zählte zu den 93 Unterzeichnern des Aufrufes „An die Kulturwelt!“, in dem die vermeintlich deutsche Kriegsschult mit einem sechsfachen „Es ist nicht wahr!“ zurückgewiesen wurde. Liebermann charakterisiert seine eigene Haltung mit den Worten: "Meine ganze Erziehung habe ich hier erhalten, mein ganzes Leben habe ich in diesem Hause zugebracht, das schon meine Eltern bewohnten. Und es lebt in meinem Herzen auch das deutsche Vaterland als ein unantastbarer und unsterblicher Begriff.“
Zum 70. Geburtstag 1917 veranstaltete die Preußische Akademie der Künste eine große Retrospektive mit 200 Gemälde Liebermanns und Wilhelm II. verlieh Liebermann den Roten Adlerorden III. Klasse. In der Nationalgalerie wurde ein eigenes Max-Liebermann-Kabinett eröffnet. 1920 übernahm Lieberman das Amt des Akademiepräsidenten, womit die Secessionszeit beendet worden war. Max Pechstein, Karl Hofer, Heinrich Zille, Otto Dix und Karl Schmidt-Rottluff wurden durch Liebermann in die Akademie aufgenommen. 1927 fand zu seinem 80. Geburtstag eine weitere monografische Ausstellung des nunmehr als Klassiker geltenden Künstlers statt. Liebermann wurde die Ehrenbürgerwürde angetragen und der Reichspräsident Paul von Hindenburg verlieh ihm das Adlerschild des Deutschen Reiches „als Zeichen des Dankes, den Ihnen das deutsche Volk schuldet“, während der Innenminister Walter von Keudell Liebermann die Goldene Staatsmedaille überreichte.
Als am Tag der Machtergreifung vor seinem Haus am Pariser Platz der Fackelzug der Nationalsozialisten vorbeiführte, äußerte Liebermann: „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“ Er legte seine Ämter nieder und zog sich nach Wannsee zurück, wo 1934 ein letztes Selbstbildnis entstand. Am 8. Februar 1935 starb Max Liebermann in seinem Haus am Pariser Platz. Die Totenmaske fertigte Arno Breker an.

 

 

Auswahlbibliographie

Max Liebermann, Max: Die Phantasie in der Malerei – Schriften und Reden. Mit einem Geleitwort von Karl Hermann Roehricht und einem Nachwort von Günter Busch, Frankfurt am Main 1986.

Sigrid Achenbach: Die Druckgraphik Max Liebermanns, Heidelberg 1974.

Gustav Schiefler: Max Liebermann. Sein graphisches Werk. 1876 - 1923, San Francisco 1991.

Katrin Boskamp: Studien zum Frühwerk von Max Liebermann mit einem Verzeichnis der Gemälde und Ölstudien von 1866 bis 1889, Hildesheim 1994.

Matthias Eberle: Max Liebermann. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München 1995.

 

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