Hofmann, Ludwig von (1861-1945). Rhythmen, 1919.


Hofmann, Ludwig von (1861-1945). Rhythmen, 1919.

Artikel-Nr.: GR - H015/001

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Ludwig von Hofmann (1861 Darmstadt - 1945 Pillnitz). Grafikmappe "Rhythmen" mit 10 (von 10) jeweils hansignierte Lithographien, in grauer dekorierter Faltmappe (47,5 x 39 cm), Friedrich Dehne Verlag, Leipzig 1919.
Mappe beidseitig etwas fleckig.

 

zum Werk

Mit seinem zweiten Mappenwerk "Rhythmen" greift Ludwig von Hofmann erneut das bereits für die vierzehn Jahre zuvor erschienene Mappe "Tänze" maßgebliche Thema des bewegten Körpers auf, um es durch die inzwischen entwickelten künstlerischen Mittel zu vertiefen. Auf den zehn Blättern entfaltet Hofmann figurative Gefüge, die in ihren übergreifenden Strukturen den einzelnen Körper übersteigen, durch den sie zugleich getragen werden. Vor dem Hintergrund der Eurhythmie fungiert der Körper hier nicht als Mittel eines subjektiven Ausdruckstanzes, sondern tritt - dem namensgebenden Titel der Mappe entsprechend - als Medium einer übergeordneten, daseinsbestimmenden Rhythmik in Erscheinung, wodurch dem bewegten menschlichen Körper eine symbolische, auf den geheimnisvollen Sinn des Daseins bezogene Dimension verleihen wird. Daher ist der menschliche Körper bei Hofmann auch nicht - wie dies für den Expressionismus charakteristisch ist - dezentriert oder in Fragmente aufgelöst, sondern er bleibt - der Kunst Hans von Marées' vergleichbar - intakt und wird aufgrund eines neuen metaphysischen Menschenverständnisses gerade in seiner Anthropomorphizität aktiviert. Dies macht den inmitten des Stromes der Moderne als Einzelgänger agierenden Hofmann zu einem klassischen Künstler.

"Das Expressive hat mich interessiert, nicht das Expressionistische. Ich fühle mich der Natur gegenüber demütig, will sie nicht vergewaltigen".

Ludwig von Hofmann

 

Zum Künstler

Ludwig Hofmann studierte von 1883 bis 1886 an der Kunstakademie Dresden bei Leonard Gey, Ferdinand Pauwels, Julius Scholtz, Friedrich Preller d. J. und Léon Pohle und war von 1886 bis 1888 Meisterschüler von Ferdinand Keller an Kunstakademie Karlsruhe. Früh entwickelte Hofmann eigenständige künstlerische Ideen, die Rainer Maria Rilke dazu bewegten, seinen Gedichtband „Lieder der Mädchen“ von Hofmann illustrieren zu lassen. Im Gegenzug widmete Rilke Hofmann den an seinen Werken inspirierten Gedichtzyklus „Die Bilder entlang“. Die Verbindung zur Literatur ist für Hofmanns Oeuvre kennzeichnend: Zur 1905 erschienen Grafikmappe „Tänze“ verfasste Hugo von Hofmannthal ein Vorwort, mit dem Hofmann ebenso wie mit Maurice Maeterlinck, Stefan George und später insbesondere mit Gerhard Hauptmann befreundet war. Und auch später betätigte sich Hofmann, zusammen mit dem Buchkünstler Marcus Behmer, als Illustrator. So beispielsweise für die Odyssee-Übersetzung Leopold Zieglers oder das Hirtenlied von Gerhart Hauptmann.
1889 hielt Hofmann sich als Student an der Académie Julian in Paris auf und wurde durch die Werke von Pierre Puvis de Chavannes und Paul-Albert Besnard angeregt. Ab 1890 war Hofmann dann als freischaffender Künstler in Berlin ansässig und Mitglied der später in der Secession aufgehenden „Gruppe der Elf“ um
Max Liebermann und Max Klinger. Für die erste Ausstellung der Künstlergruppe XI gestaltete Hofmann die Einladungskarte, für die Freie Berliner Kunstausstellung 1893 und die Deutsche Kunstausstellung der Berliner Secession 1899 die Plakate. Auch auf den Ausstellungen der Sezessionen in Münchner und Wien war Hofmann mit Werken beteiligt. Seit der Gründung der Zeitschrift des Jugendstils "Pan", 1895, lieferte er, ebenso wie für die "Jugend" und "Ver Sacrum", regelmäßig graphische Beiträge.
Von 1894 bis 1900 hielt sich Hofmann häufig in Rom und in seiner Villa bei Fiesole auf und lernt die Malerei Hans von Marées schätzen, dessen Vorstellung eines überzeitlichen antiken Arkadiens auch für Hofmanns Werk maßgeblich werden sollte.
1903 erhielt Hofmann den für seinen künstlerischen Werdegang wichtigen Ruf an die Großherzogliche Kunstschule in Weimar. 1905/06 malte Hofmann für Henry van der Veldes Museumshalle auf der Dritten deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden einen sechsteiligen Wandbildzyklus und 1907/08 den Monumentalfries für das Foyer des Weimarer Theaters. 1909 entstand das Monumentalbild "Neun Musen" für den Senatssaal der Universität Weimar. 1919 folgte die Ausgestaltung des Lesesaals der Deutschen Bücherei in Leipzig.
In Weimar gehörte Hofmann zu der von Harry Graf Kessler initiierten, gegen die repressive Berliner Kunstpolitik gerichtete Bewegung „Neues Weimar“, aus der schließlich das Bauhaus hervorgehen sollte. Durch die internationalen Kontakte Kesslers wurde Hofmann mit Maurice Denis, Aristide Maillol und Theo van Rysselberghe bekannt, die verwandte Bildideen verfolgten. Zu Hofmanns Schülern in Weimar zählten Hans Arp und der Sohn Gerhard Hauptmann Ivo. Mit Gerhart Hauptmann verband Hofmann eine langjährige Freundschaft, die mit einem intensiven künstlerischen Austausch einherging. 1907 unternahmen sie eine gemeinsame Griechenlandreise, die Hofmann später - neben dem Werk des Malers Hans von Marées - als wichtigste Inspiration für seine künstlerische Entwicklung bezeichnet hat. 1916 trat Hofmann an der Kunstakademie Dresden die Nachfolge
Hermann Prells an und unterrichtete bis 1931 das Fach Monumentalmalerei.
1937 wurden einige Werke Hofmanns in Erfurt als „Entartete Kunst“ eingestuft, andere aber weiterhin in Deutschland ausgestellt. 1945 starb Hofmann in Pillnitz. Der Hauptnachlass Ludwig von Hofmanns befindet sich in Potsdam, wo auch die Ludwig-von-Hofmann-Gesellschaft ihren Sitz hat.
Hofmann wurde mit zahlreichen Preisen geehrt: 1896 erhielt er die Gold-Medaille der Internationalen Kunstausstellung in Berlin, 1897 die Gold-Medaille der Internationalen Kunstausstellung Dresden, 1906 die Ehrenurkunde der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung Dresden, 1908 das Ritterkreuz II. Klasse des Sachen-Weimerischen Weißen-Falken-Ordens, 1917 den Verdienstkranz für Kriegshilfe, 1918 wird er zum Geheimen Hofrat ernannt, 1926 erfolgt die Ehrenpromotion der Philosophischen Fakultät Gießen und 1941 erhält Hofmann die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Zu den Sammlern seiner Werke zählten die österreich-ungarische Kaiserin Elisabeth ebenso wie die Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin und Wilhelm von Bode. Thomas Mann ließ Eindrücke von Hofmanns Werk in seinen Roman „Der Zauberberg“ einfließen. Das von ihm 1914 erworbene Bild "Die Quelle" hing bis zu seinem Tod in Thomas Manns Arbeitszimmer.
2005 wurde dem erst allmählich wiederentdeckten Ludwig von Hofmann in seiner Geburtsstadt Darmstadt eine große monografische Ausstellung gewidmet.

 

"Hofmanns Schaffen ist geprägt von der Suche nach einem Tradition und Moderne vereinenden neuidealistischen, neuklassischen Stil sowie seinem Interesse an der rhythmische bewegten Figur"

Annette Wagner-Wilke in Saurs Allgemeinem Künstlerlexikon

 

Mappenwerke

Tänze (1905), Rhythmen (1919), Rhythmen, Neue Folge (1921), Eros (1924).

 

Ausgewählte Werke in öffentlichen Gebäude

Fries im Trauzimmer des Standesamtes an der Fischerbrücke in Berlin 1900, Fries im Foyer des Theaters in Weimar 1907, Wandbilder im Senatssitzungssaal der Universität Jena 1909, Wandbilder im Werkbundtheater in Köln 1914.

 

Auswahl öffentlicher Sammlungen, die Werke von Ludwig von Hofmann besitzen:

Alte Nationalgalerie Berlin, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Kunsthalle Hamburg, Kunsthalle Kiel, Kunsthaus Zürich, Kunstsammlung der Veste Coburg, Museum Leicestershire, Puschkin Museum Moskau, Nationalgalerie Oslo, Neue Pinakothek München, Österreichische Galerie Belvedere Wien, Städtische Sammlung Dresden, Stiftung Moritzburg Halle.

 

 

Auswahlbibliographie

Oskar Fischel: Ludwig von Hofmann, Bielefeld und Leipzig 1903.

Edwin Redslob (Hg.): Ludwig von Hofmann. Handzeichnungen, Weimar 1918.

Hand H. Hofstätter: Geschichte der europäischen+ Jugendstilmalerei, Köln 1963.

Herta Hesse-Frielinghaus (Hrsg.): Gerhart Hauptmann – Ludwig von Hofmann. Briefwechsel 1894–1944, Bonn 1983.

Contessa Roberts: Auf der Suche „nach dem entschwebten Land der Griechen“. Der Maler und Graphiker Ludwig von Hofmann (1861–1945). Ein Überblick über sein Œuvre mit besonderem Schwerpunkt auf Zeichnungen und Druckgraphik, Freiburg 2001.

Verena Senti-Schmidlin: Rhythmus und Tanz in der Malerei. Zur Bewegungsästhetik im Werk von Ferdinand Hodler und Ludwig von Hofmann. (= Studien zur Kunstgeschichte; Bd. 170), Hildesheim 2007.

Annette Wagner, Klaus Wolbert (Hrsg.): Ludwig von Hofmann (1861–1945). Arkadische Utopien in der Moderne, Darmstadt 2005.

Rolf Günther: Der Symbolismus in Sachsen 1870–1920, Dresden 2005.

Claus Bernet: Ludwig von Hofmanns „Träumerei“. Eine Berliner Bildgeschichte, Berlin 2011.

Städtische Sammlungen Freital, Schloss Burgk (Hrsg.): Ludwig von Hofmann: Sehnsucht nach dem Paradies, Dresden 2011.

Ingo Starz: "...die weiteste und herrlichste Weise, Schönheit zu gestalten". Ludwig von Hofmann, die Literaten und der Stildiskurs um 1900. In: Jugendstil und Kulturkritik, hrsg. von Andreas Beyer u. Dieter Burdorf, Heidelberg 1999, S. 156-176.

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