Moralt, Willy (1884-1947). Alpenlandschaft mit Gewässer.


Moralt, Willy (1884-1947). Alpenlandschaft mit Gewässer.

Artikel-Nr.: G - M015/001
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Willy Moralt (1884 München - 1947 Lenggries). Alpenlandschaft mit See. Öl auf Leinwand, 54 x 75 cm (Innenmaß), 73,5 x 94 cm (Rahmen), rechts unten signiert und unleserlich ortsbezeichnet.

 

zum Werk

Der wie zufällig gewählt wirkende menschenleere Landschaftsauschnitt erschließt sich bei näherer Betrachtung zusehends in seiner bewusst angelegten kompositorischen Bezugsfülle, die bereits den ersten Blick an das Bild bindet. Eine nahsichtige Betrachtung verrät die entscheidende Rolle der Farben, von deren materieller Plastizität her der Bildaufbau erfolgt. Moralt greift die klassische Farbabfolge der Bildgründe auf - Braun für den Vorder-, Grün für den Mittel- und Blau für Hintergrund - verschiebt die Farbgründe aber derart ineinander, dass es zu Mischungen kommt, die sich atmosphärisch niederschlagen. So scheint der sich von rechts ins Bild schiebende, zunächst grüntonale Bergrücken immer mehr bläulich aufzuglühen, bis er schließlich in das dunkeltonige Blau des von den weißen Schneemassen bekrönten Bergmassivs übergeht.
Neben der atmosphärischen Transformation der Bildgründe bestehen überall im Bild großflächige, den Bildaufbau verdichtende Korrespondenzen: Durch die Spiegelung in der unbewegten Oberfläche des Gewässers bestimmt das Blau des Hintergrundes ebenso den Vordergrund und das Weiß des hell aufleuchten Schnees ist ganz vorne im Bild präsent. Damit ist das den Horizont Begrenzende am Standort des Betrachters gegenwärtig, wodurch die Tiefenerstreckung der Szenerie eine Rückbindung erfährt, während durch die Korrespondenz der sich durchmischenden Grautöne der dramatischen Wolkenformation mit der Tonalität des ins Bläuliche übergehenden Bergrückens der Höhenerstreckung ein inneren Bezug verliehen wird. Insgesamt wird die Bildatmosphäre vom geheimnisvoll-unnahbaren Blau getragen. Erfolgt die Himmelsgestaltung der Alpendarstellungen klassischerweise in Blautönen, hat Moralt den Himmel mit der dramatischen Wolkenformation verhängt, um das Eigenleuchten des Blaus gänzlich für die Berge und das Wasser zu aktivieren.
Mit diesem Gemälde beweist sich der vor allem wegen seiner Bilder in der Manier Carl Spitzwegs bekannte Moralt als gänzlich eigenständiger Meister der Landschaftsmalerei.

 

zum Künstler

Einen ersten Zeichenunterricht erhielt Willy Moralt bei seinem Vater, der als Landschaftsmaler Schüler von Carl Spitzweg und Christian Morgenstern gewesen war. Die kunstvollen Studien, die der 15jährige Moralt von seinen ersten Reisen nach Württemberg, Baden und ins Elsaß mitbrachte, veranlassten den Vater seinen Sohn auf die Münchner Kunstakademie zu schicken, wo er sein Studium 1903 bei Karl Raupp aufnahm. Bereits im ersten Jahr erhielt er ein Belobigungsdiplom und im zweiten die bronzene Ehrenmedaille für seine im Münchner Glaspalast ausgestellten Landschaften. 1924 erhielt er dann auf der Großen Internationalen Kunstausstellung die Goldene Medaille.
Nach dem Abschluss des Studiums zog der frisch verheiratete Moralt 1907 in das Künstlerquartier Schwabing, von wo aus er ausgedehnte Studienreisen nach England, Holland, Italien und in die Schweiz unternahm. Die zahlreichen auf Reisen angefertigten Skizzen dienten ihm dann als Vorlagen für seine Ölbilder, die er ausschließlich im Atelier malte. Dabei orientierte er sich zunehmend an den Arbeiten des von ihm geschätzten Carl Spitzweg. Um dessen Farbwirkungen noch zu steigern, stellte Moralt seine Farben nach eigens entwickelten Rezepturen selbst her, was seinen Bildern die ihnen eigentümliche Leuchtkraft verleiht. Immer wieder bereiste Moralt die Voralpenlandschaft. Ganz besonders zieht es ihn in das Isartal und nach Lenggries, wo er ein Grundstück erwirbt, um sich dort 1943 endgültig niederzulassen. Wenige Zeit später gerät Moralt in Kriegsgefangenschaft und stirbt 1947 geschwächt in Langgries.
Zu Lebzeiten wurden Moralts Bilder gesammelt und lobend von der Kunstkritik hervorgehoben. Darüber hinaus wurde der Künstler auch für seine weithin bekannten Karl-May-Illustrationen geschätzt.

 

 

Auswahlbibliographie

Konrad Dreher: Willy Moralt - Fröhliche Bilder aus sonnigem Leben, München 1923.

Ulrich Hölzermann: Willy Moralt anläßlich seines 100. Geburtstags. Der bayerische Romantiker unter den Malern des 20. Jahrhunderts. In: Weltkunst 54 (1984), S. 1432-1433.

Horst Ludwig: Münchner Maler im 19. Jahrhundert. Bd. 6: Landschreiber-Zintl, München 1994.

Gert Ueding, Klaus Rettner: Karl May Handbuch, Würzburg 2001.

Gerhard Klußmeier/Hainer Plaul: Karl May und seine Zeit. Bilder, Dokumente, Texte. Eine Bildbiografie. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2007.

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