Hertel, Albert (1843-1912). Kopfstudie bei Gegenlicht.


Hertel, Albert (1843-1912). Kopfstudie bei Gegenlicht.

Artikel-Nr.: G - H005/001
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Albert Hertel (1843 Berlin - 1912 Berlin). Kopfstudie bei Gegenlicht. Öl auf Karton, 33,5 x 26,5 (Innenmaß), 50 x 42 (Rahmen), unten mittig signiert und unleserlich datiert "Albert Hertel 186[?]". Goldener Stuckrahmen.

 

zum Werk

Auch wenn das Bildnis auf eine Porträtsituation zurückgehen mag, handelt sich dennoch um den studienartigen Versuch, ein möglichst ausdrucksstarkes Idealgesicht zu schaffen, weshalb das Bild zwar signiert und datiert ist, aber keinerlei Angabe zur dargestellten Person aufweist.
Der nahezu das ganze Bildformat durchmessene Kopf ist leicht aus dem Profil Richtung Betrachter gewendet, um unter Beibehaltung der ausdrucksstarken Profilansicht dennoch den Raumeindruck des Kopfes nicht zu verlieren, welcher durch den trockenen, schichtenartigen Pinselauftrag gleichermaßen haptisch gegenwärtig wie monumental wirkt. Dieser Eindruck wird zusätzlich durch die dramatische Lichtregie verstärkt: Das Gesicht scheint sich geradewegs aus dem Licht heraus zu entwickeln und dabei gleichzeitig in die Dunkelheit zurückzusinken. Die tief verschatteten Augen sind dem Betrachter beinahe unzugänglich und dennoch kündet die hell erleuchtete Stirn von einem inneren Sehen, dessen Tragweite sich in der Mimik widerspiegelt, die zugleich vom Ringen um ein tieferes Verständnis zeugt. Dabei sind das vom Licht tingierte Haupt- und Barthaar ebenso wie die nur angedeutete Oberbekleidung in die Hell-Dunkel-Dramatik einbezogen.
Durch die von Hertel hier aktivierte Ausdrucksdimension reiht sich der durchaus profane Kopf in die Tradition der Apostel- und Prophetenporträts ein, so dass sich hier das große Thema der akademisch geprägten Malerei des 19. Jahrhunderts, die Verschränkung von sakraler und profaner Kunst, kund tut.  

Das Bild wird eigens in Saurs Allgemeinem Künstlerlexikon (AKL) erwähnt (Bd. 72, S. 408).

 

zum Künstler

Albert Hertel war der Sohn des Kapellmeisters der Königlichen Hofoper Berlin Peter Ludwig Hertel. Zwischen 1859 und 1862 studierte Hertel an der Berliner Kunstakademie bei Eduard Magnus, Eduard Meyerheim und Eduard Holbein. Nachdem er 1862 für Peter Cornelius gearbeitete hatte, ging er - um ein Lungenleiden zu kurieren - nach Schlesien und malte dort in der Natur. 1863 ließ er sich als Privatschüler Heinrich Drebers Rom nieder, wo er Bekanntschaft mit Anselm Feuerbach schloss. Zwischen 1868 und 1869 studierte Hertel dann als Meisterschüler Oswald Achenbachs an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach einem kurzen Parisaufenthalt, wo er die Werke der Schule von Barbizon studierte, ging er nach dauerhaft Berlin. 1875 wurde Hertel dort von Anton von Werner als Nachfolger Hans Gudes an die Kunstakademie berufen. Fortan leitete er ein Meisteratelier für Landschaftsmalerei und lehrte an der Akademie die Prinzipien der Freilichtmalerei, was dazu führte, dass er 1901 an der Berliner Secession-Ausstellung teilnahm. Durch ein Augenleiden war Hertel gezwungen, seine Tätigkeit als Professor zwischen 1878 und 1901 ruhen zu lassen. Immer wieder begab er sich auf Studienreisen nach Italien, aber auch in die Schweiz - am Genfer See knüpfte er freundschaftliche Kontakte mit Gustave Courbet -, nach Österreich, Holland, Frankreich und an die deutsche Küste.
In Berlin war Hertel freundschaftlich mit Adolph von Menzel verbunden, der Taufpate seines Sohnes wurde. Zudem war er in die höchsten gesellschaftlichen Kreise eingebunden. Hertel war ein häufiger Gast des Kronprinz Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich III. und unterwies dessen Frau Victoria in der Landschafts- und Stillebenmalerei. Für Wilhelm II. fertigte Hertel Gemälde für den Berliner Dom an. Er gehörte zu den Ersten, die in der von Wilhelm II. für deutsche Künstler erworbenen Villa Falconieri arbeiteten.
Neben der Malerei an der Staffelei tat sich Hertel auch in der Monumentalmalerei hervor und stattete öffentliche Bauten - etwa das Berliner Rathaus - mit Gemälden aus. Zudem schuf er Großbilder für Dioramen und entwarf Bühnenbilder.

Hertel empfing zahlreiche Ehrungen: 1882 wurde er zum Professor ernannt, 1886 ehrenvoll auf der Jubiläumsausstellung Berlin erwähnt, 1887 erhielt er auf der Aquarell-Ausstellung Dresden ein Preisdiplom, 1897 in Berlin die Gold-Medaille und darüber hinaus Ausstellungsmedaillen in Dresden und Wien. Hertel war zwischen 1869 und 1870 Mitglied im Düsseldorfer "Malkasten" und gehörte ab 1871 dem "Verein Berliner Künstler" an. Von 1878 an ist Hertel mit Werken auf wichtigen nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten. 1913 wurde er posthum mit einer großen monografischen Werkschau geehrt, auf der 150 seiner Bilder ausgestellt waren.

 

"In einer Epoche wie der gegenwärtigen, wo der Kampf der Kunsttheorien ein so erbitterter geworden ist, wie ihn frühere Kulturzeiten nie gesehen, sind die Ursachen und Gelegenheiten noch zahlreicher (weil selbstverständlicher), Persönlichkeiten, die nicht im Malstrom umgetrieben werden, auszustreichen."

Felix Lorenz in seinem Nachruf auf Albert Hertel

 

"Bemerkenswert ist Hertels Gradwanderung im Spannungsfeld von akademischer Ateliermalerei und dem in Studien quasi "privat" ausgeübtem Pleinairismus."

Carsten Roth in Saurs Allgemeinem Künstlerlexikon

  

 

Auswahl öffentlicher Sammlungen, die Werke von Albert Hertel besitzen:

Alte Nationalgalerie Berlin, Kupferstichkabinett Berlin, Kunsthalle Hamburg, Lindenau-Museum Altenburg, Musée d'Orsay Paris, Museum der bildenden Kunst Leipzig, Museum Kunstpalast Düsseldorf, Neue Nationalgalerie Berlin, Royal Collection London, Schloß Sanssouci Potsdam.

 

Auswahlbibliographie

Adolf Rosenberg: Die Berliner Malerschule 1819-1879. Studien und Kritiken, Berlin 1879.

Felix Lorenz: Albert Hertel. In: Die Kunstwelt 2 (1912/13), S. 135-144.

Ines Hertel: Der Berliner Maler Albert Hertel (1843 - 1912). Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, Heidelberg 1981.

Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert Von der Zeit Friedrichs des Grossen bis zum Ersten Weltkrieg, Berlin 1990.

Hans Pfaffrath: Lexikon der Düsseldorfer Malerschule. 1819 - 1918. 2. Bd.: Haach - Murtfeldt, München 1998.

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