Werner, Anton von (1843-1915). Brief an den Vorstand der Kunsthalle Düsseldorf vom 4.X.1881.


Werner, Anton von (1843-1915). Brief an den Vorstand der Kunsthalle Düsseldorf vom 4.X.1881.

Artikel-Nr.: A - W005/001

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Anton von Werner (1843 Frankfurt Oder - 1915 Berlin). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift „Anton von Werner“. Berlin, 4.X.1881 an den Vorstand der Kunsthalle Düsseldorf.
3 S. 1 Bl. Gr. 8vo.

 

Werner korrespondiert wegen der erneuten Ausstellung seines 1873 fertiggestellten Gemäldes „Der Kaiser im Mausoleum“, das Kaiser Wilhelm I. vor dem Frankreichfeldzug am Grabe seiner Eltern im Mausoleum des Charlottenburger Parks zeigt.
Der Brief dokumentiert die Wichtigkeit der Kunst Anton von Werners für das Selbstverständnis des noch jungen zweiten Deutschen Reiches und gibt Einblick in den damaligen Leihverkehr.

 

 

zum Künstler

Anton von Werner nahm 1860 das Studium der Malerei an der Berliner Akademie auf, um im Folgejahr an die Kunstakademie Karlsruhe zu wechseln, wo er mit Wilhelm Schirmer, Ludwig des Coudres, Adolph Schroedter, und Carl Friedrich Lessing Bekanntschaft schloss. Auch lernte er in Karlsruhe seinen späteren Förderer, den Großherzog Friedrich von Baden und den Schriftsteller Joseph Victor Scheffel kennen, dessen Werke Werner illustrierte.
Bis 1868 hielt sich Werner zweimal länger in Paris auf und studierte dort die Kunst von Jean-Auguste-Dominique Ingres, Eugène Delacroix und der zeitgenössischen Künstler Ernest Meissonier und Léon Cogniet. Auf der Pariser Weltausstellung von 1867 wurde sein Gemälde "Konradin von Staufen, Friedrich von Baden und Luther vor Cajetan" mit dem Preis der Michael-Beer-Stiftung der Berliner Akademie der Künste ausgezeichnet. Das Preisgeld ermöglichte ihm eine Studienreise nach Rom, wo er zur deutschen Künstlerkolonie um Anselm Feuerbach stieß.
Im Januar 1871 begab sich Anton von Werner im Aufrag des Kronprinzen Friedrich Wilhelm nach Versailles, um die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs festzuhalten. Er trat mit Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke ebenso wie mit Kaiser Wilhelm I. in Kontakt. Fortan wurde Werner vom Kaiser als kunstpolitischer Berater hinzugezogen, was später auch für Wilhelm II. galt, den Werner als Kind im Zeichnen unterrichtete. Damit hatte Werners Aufstieg zu einem der einflussreichsten Künstler im Kaiserreich seinen Lauf genommen.
1871 in die neue Reichshauptstadt Berlin übergesiedelt schuf Werner eines der Festvelen, die beim Einzug der siegreichen Truppen in Berlin die Straße Unter den Linden überspannten. Die Darstellung diente als Grundlage des in Glasmosaik gesetzten Wandbildes der Siegessäule. Auch seine Wohnung und das 1874 errichtetes Haus, die Villa VI an der Potsdamer Straße, hatte Werner mit Wandmalereien versehen. In der Folge gestaltete Werner - unter Verwendung von Mosaiken - die ersten polychromen Fassaden Berlins. Seine Wandbilder im Café Bauer waren eine im Baedeker hervorgehobene Attraktion.
Werners Selbstverständnis nach galt es als Künstler an der nationalen Aufgabe der Bewahrung und dem Ausbau des Kaiserreichs mitzuwirken, was sich in den staatstragenden Themen seiner Bilder widerspiegelt. Sein bekannteste Gemälde ist die 1877 nach sechsjähriger Arbeit fertiggestellte, auf unzähligen Skizzen und Studien basierende "Proklamation des Deutschen Kaiserreiches" für den Weißen Saal des Berliner Schlosses - ein Geschenk der deutschen Fürsten und Hansestädte an den Kaiser aus Anlass seines 80. Geburtstages. Weitere Großaufträge waren die Wandbilder für die Ruhmeshalle des Zeughauses und die Mosaiken im Innenraum des Berliner Doms.
1874 wählte die Preußische Akademie der Künste Werner zum ordentlichen Mitglied und der Senat ernannte ihn in demselben Jahr zum Direktor der neu gegründeten Hochschule für die bildenden Künste in Charlottenburg. Ab 1887 wurde Werner mehrfach Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler. Aufsehen erregt er 1886 mit einem anlässlich der Präsentation des Pergamonaltars initiierte Künstlerfest, bei dem 1300 antik gewandete Darsteller auftraten.
Unter Werners Vereinsvorsitz erfolgte aus Protest gegen seine rigide Ausstellungspolitik 1892 die Gründung der Gruppe 'Elf', aus der schließlich die Berliner Secession hervorging. Nach dem Eklat um die Munch-Ausstellung und der Tschudi-Affäre - auf Werners Betreiben war der Direktor der Nationalgalerie Hugo von Tschudi aufgrund einer privilegierten Hängung von Werken der Schule von Barbizon von Kaiser Wilhelm beurlaubt und Werner zum kommissarischen Direktor eingesetzt worden - wurde Anton von Werner zusehends Zielscheibe des Spottes, um nach der Novemberrevolution als Repräsentant der wilhelminischen Ära von der Kunstkritik einhellig abgelehnt zu werden. Eine Verurteilung, die bis heute wirksam ist und sich in Einschätzungen kund tut, Anton von Werners Werken könne ein kunstvoller Verismus nicht abgesprochen werden, bei dem es sich aber letztlich um eine oberflächliche, einzig auf die Machterhaltung des Kaiserhauses zielende Repräsentationskunst handele. 

 

Auswahl an öffentlichen Sammlungen, die Werke von Anton von Werner besitzen

Akademie der Künste Berlin, Alte Nationalgalerie Berlin, Berlinische Galerie, Eremitage Sankt Petersburg, Deutsches Historisches Museum Berlin, Hamburger Kunsthalle, Kunsthalle Karlsruhe, Kunsthalle Kiel, Nationalmuseum Warschau, Royal Collection London, Staatsgalerie Stuttgart, Stadtmuseum Berlin.

 

 

Auswahlbibliographie

Anton von Werner: Erlebnisse und Eindrücke 1870–1890, Berlin 1913.

Anton von Werner: „Jugenderinnerungen 1843–1879“, Hrsg. v. Dominik Bartmann, Berlin 1994.

Friedrich Freiherr von Khaynach: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei, Zürich 1894.

Adolf Rosenberg: A. von Werner (= Knackfuß' Künstler-Monographien 11), Bielefeld und Leipzig 1900.

Dominik Bartmann: Anton von Werner. Zur Kunst und Kunstpolitik im Deutschen Kaiserreich, Berlin 1985.

Frank Becker: Bilder von Krieg und Nation. Die Einigungskriege in der bürgerlichen Öffentlichkeit Deutschlands 1864–1913, München 2001.

Thomas W. Gaehtgens: Anton von Werner, die Proklamierung des Deutschen Kaiserreichs. Ein Historienbild im Wandel preußischer Politik, Frankfurt a.M. 1990.

Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner. Geschichte in Bildern, München 1993.

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